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Am 26.08.2018

Am 26.08.2018
Am 26.08.2018

Wort zum Sonntag, 26.08.2018

Vor kurzem sagte mir jemand, er vermisse beim Kreuzzeichen „die Erde“. Ich war irritiert, das muss ich sagen. Im Kreuzzeichen vergegenwärtigen wir uns die Dreifaltigkeit. Das heißt, es geht um das Wesen Gottes, als Vater, Sohn und Heiligen Geist. Was bitte soll da „die Erde“? Wer ist eigentlich Gott? Er ist der Schöpfer von allem was ist. Er hat keinen Anfang und kein Ende. Er ist ewig. Er hat uns Menschen geschaffen, aber wir sind nicht Gott, wir sind Geschöpf. Auch die Erde ist geschaffen. Es ist wunderbar, dass es sie gibt. Wir können Gott dafür wirklich dankbar sein. Er hat sie sehr schön geschaffen! Auch ist es faszinierend zu sehen, wie alles mit allem zusammenhängt.

Es gibt auch Geheimnisse in der Natur, die wir nicht erklären können. Vielleicht, weil uns die Kenntnisse fehlen oder unsere Sinnesorgane nicht in der Weise geschult sind.

Aber deshalb ist die Natur und alles was lebt trotzdem nicht Gott. Sondern geschaffene Wirklichkeit. Dass die Natur nicht Gott ist, heißt nicht, dass sie keinen Wert hat und wir sie ausbeuten und zerstören dürfen. Wir leben von ihr, wie können wir das tun? Wir sollten sie mit Dankbarkeit und Wertschätzung behandeln. Schließlich wurde sie uns von Gott geschenkt. Natürlich sollten wir uns bemühen, im Einklang mit der Natur zu leben.

Und wenn jemand sagt, er fühle sich Gott in der Natur besonders nahe, so kann ich das sehr gut verstehen. Sie ist schön und hier kann ich Ruhe und Stille finden. In der Ruhe und Stille kann ich Gottes Gegenwart spüren. Aber nicht, weil die Erde Gott wäre, sondern weil Gott in seinem Geist gegenwärtig ist. Er hat sich als der „Ich bin da“ geoffenbart. Die Natur kann mir ein Gleichnis werden, ein Hinweis auf Gottes Erhabenheit (Berge), Weite (Meer) und Zartheit (warmer, weicher Wind). Aber niemals ist sie Gott. Dann hätten wir einen Götzen erschaffen. Und Götzen versklaven immer!

Astrid Wilming, Pastoralreferentin kath. Pfarrei St. Elisabeth an Lahn und Eder, Biedenkopf