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Im Gespräch mit Anna-Lisa Urspruch

Im Gespräch mit Anna-Lisa Urspruch
Im Gespräch mit Anna-Lisa Urspruch
Charlotte Meister im Gespräch mit Anna-Lisa Urspruch

Was bewegt junge Mensche dazu heute so einen Weg einzuschlagen...

Anna-Lisa Urspruch ist seit ihrer Erstkommunion ehrenamtlich aktiv in unserer Gemeinde bzw. am heutigen Kirchort St. Josef. Mit großem Engagement hat sie sich um die Messdienerarbeit an diesem Kirchort gekümmert. Außerdem war sie bei der Sternsinger und als Teamer bei Kinderfreizeiten dabei. Sie hat die Jugendgruppe vor Ort mitbegrtündet und sich immer für die Kids und Jugendlichen eingesetzt. Seit diesem Wintersemester hat sie ein Studium an der kath. Hochschule in Mainz begonnen. Sie musste dazu ihren Beruf kündigen (Anna-Lisa ist gelernte Tischlerin) und bereits ein 6 wöchiges Praktikum in einer Gemeinde absolvieren. Ihr Entschluss gründete vor allem in der Freude, die ihr Ehrenamt ausmacht, wie sie selbst sagt.

Doch in der heutigen Zeit ist gerade dieser Beruf nicht besonders attraktiv. Dass ein junger Mensch seinen sicheren Arbeitsplatz verlässt um einen sozialen Beruf und dann auch noch bei der kath. Kirche einzuschlagen ist keine typische Biographie. Was genau sie dazu bewegt erfahren wir im folgenden Interview, das unsere Gemeinderefentin Charlotte Meister mit Anna-Lisa geführt hat.

1) Du hast dich also dazu entschieden, nach deiner Ausbildung und Festanstellung zur Tischlerin, nochmal was ganz anderes zu beginnen. Wie kamst du zu dieser Entscheidung?

Eigentlich war schon immer der Gedanke da, dass ich gerne was Soziales machen möchte. Und wenn nicht beruflich, dann privat. So habe ich in Biedenkopf immer gern die Messdienerstunden gehalten, bei den Sternsingern geholfen oder im Kindergottesdienst Musik gespielt. Das waren immer Zeiten, auf die ich mich gefreut und die mich erfüllt haben. Mein Beruf war zwar sehr aufregend und spannend, aber in letzter Zeit war ich immer angespannter, unruhiger und unerfüllter. Wenn ich aber nach einem langen Arbeitstag direkt freitags zu den Minis gehetzt bin, war das weniger stressig, sogar beruhigend für mich. Bei den Kindern und Jugendlichen war und bin ich innerlich einfach viel ausgeglichener. Auch wenn bei meiner Arbeitsstelle alle freundlich waren und ich mich nicht unwohl fühlte, habe ich immer gewusst, dass mir da etwas fehlt. Nach dem Praktikum von Viola [eine Messdienerin aus Biedenkopf] bei dir [d.h. bei Gemeindereferentin Charlotte Meister] haben wir mal darüber gesprochen und der Gedanke, das Ganze beruflich zu machen, kam mir wieder in den Sinn. Als wir dann zum Diözesanen Jugendtag fuhren, habe ich dort einen Flyer für die Gemeindereferenten-Ausbildung gesehen und ihn eingesteckt. Zuhause recherchierte und informierte ich mich genauer. Nach einem intensiven Gespräch mit dir, dachte ich mir: ja, das möchte ich machen, das wäre der richtige Beruf für mich. Auch wenn ich noch gewisse Zweifel hatte, da ich bis jetzt im Bereich Erwachsenenbildung noch keinerlei Erfahrung habe. Da ich nie einen Lektorenkurs mitgemacht habe, weiß ich nicht, wie es sich so „da oben“ hinter dem Ambo anfühlt; wie es ist, vor der Gemeinde zu stehen und zu sprechen. Aber deswegen bin ich erst recht gespannt auf mein Praktikum in der Dillenburger Gemeinde und die Erfahrungen, die ich dort machen werde.

2) Das klingt nach einer Entscheidung, die gut überlegt ist und einem Wunsch, der tief drin in dir schon lange da ist und sich mal lauter und mal leiser bei dir gemeldet hat. Wie wird es denn nun für dich weitergehen?

Ich habe meine derzeitige Festanstellung als Tischlerin bereits gekündigt und werde ein 6-wöchiges Vorpraktikum in Dillenburg bei Gemeindereferentin Maria Horsel absolvieren. Das Praktikum ist eine der Zulassungsbedingungen für das Studium der Praktischen Theologie an der Katholischen Hochschule Mainz. Im Anschluss beginnt das Studium: 6 Semester bis zum Bachelor of Arts. Zuerst wird es eine Einführungswoche ab dem 24. September im Kolleg geben. Dort lerne ich einen Teil meiner Kommilitonen kennen. All diese werden im ersten Jahr mit mir zusammen dort wohnen. Danach haben wir mit allen 1-Semest‘lern meines Jahrgangs ein geistliches Einführungswochenende. Dort werden wir uns besser kennenlernen und uns auf unser Vorhaben einstimmen. Der erste Vorlesungstag des Studiums ist dann der 1. Oktober 2018. Während der 6 Semester folgen dann noch 3 weitere Praktika. Sie sind immer in der vorlesungsfreien Zeit zwischen Winter- und Sommersemester (das Gemeindepraktikum, das Schulpraktikum und das Projektpraktikum). Nach dem Studium folgen 2 Jahre Assistentenzeit (die Zeit, die Johann Weckler bei uns verbracht hat). Privat kommt natürlich auch eine spannende Zeit auf mich zu, weil ich verlobt bin. Wir werden erst mal eine Fernbeziehung führen, da ich das erste Jahr im Kolleg in Mainz wohnen werde und er hier eine Festanstellung hat.

3) Na dann hast du ja Einiges vor dir. Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass du dich auf die Zeit freuen kannst! Eine etwas kniffligere Frage: Was heißt es für dich deinen Glauben im Alltag zu leben?

Ok, das ist wirklich nicht ganz so einfach. Ich denke, es heißt für mich, dass ich an meinem Verhalten versuche Nächstenliebe zu zeigen und positiv durch den Tag zu gehen. Aber klar, das klappt nicht immer. Durch den Diabetes, der vor ca. 3 Jahren diagnostiziert wurde, habe ich gelernt: man braucht auch mal Zeit um auf sich selbst zu achten. Und Manches im Leben muss man einfach „weglachen“! Wenn ich jetzt ein Lebensmotto wählen sollte, wäre es: „Lebe, liebe, lache, glaube an dich selbst.“ Wichtig ist mir auch mein persönlicher Bezug zu Gott und dass ich kein Geheimnis aus meinem Glauben mache. Aber diese beiden Aspekte entwickeln sich noch. Ich denke über Vieles nach und hoffe auch, durch das Studium meine Standpunkte und Fragezeichen zu festigen und zu überdenken. Aber ich weiß, dass ich immer mit „Ja“ antworten würde, wenn mich jemand fragt, ob ich glaube. Durch die ehrenamtliche Arbeit wurde mir klar, dass ich meine Fähigkeiten und meine Zeit gerne für die Kirche einsetzen möchte.

4) Das klingt doch schon sehr gut und überzeugt. Danke für deine Offenheit. Worauf freust du dich denn am meisten?

Ach, auf Einiges: Vor allem darauf, anderen Gemeinden (Modelle) kennenzulernen. Aber auch neue Menschen, die sich, wie ich, dazu entschieden haben, für die Kirche zu arbeiten und wie sie zu der Entscheidung kamen. Und allgemein freue ich mich auf die Gemeinschaft mit den neuen Kommilitonen. Außerdem interessieren mich die Inhalte des Studiums. Allerdings kommt mir dabei die Frage, ob ich dem Lernstoff gewachsen bin, da meine Schulzeit schon ein paar Jahre zurückliegt. Ich bin gespannt wie das klappt und frage mich: Wie komme ich damit klar, wenn manche Lerninhalte nicht mit meinem Glaubensverständnis übereinstimmen, oder wenn es zu wissenschaftlich wird. Grundsätzlich freue ich mich schon sehr darauf, mit anderen Mal über den Glauben zu diskutieren, andere Positionen und Erfahrungen kennenzulernen.

5) Dann hoffe ich, dass du deine positive Einstellung immer behältst. Gleich sind wir auch durch mit der Fragerei. Eine habe ich noch: Was erhoffst du dir von deiner Zukunft als Gemeindereferentin?

Oh, also so spontan hoffe ich auf jeden Fall, dass meine erste Gemeinde eine offene Gemeinde sein wird. Das heißt, dass sie viel von der Ökumene hält, viele Ansprechpartner für den Glauben hat und bereit ist, mit mir zu arbeiten. Dies sind Eigenschaften, die ich alle in meiner Heimatgemeinde schätzen gelernt habe. Ich möchte auch viel mit den Gemeindemitgliedern zusammen arbeiten und sie in ihrem Miteinander unterstützen. Konkret heißt das für mich, dass ich sie fördern möchte, sich in ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten einzubringen. Meine Hoffnung ist, dass ich Spaß an meiner Arbeit haben werde und viele schöne Erfahungen sammele. Spannend bleibt dabei vor allem das Feld „Trauerpastoral“. Wie verhalte ich mich zum Beispiel bei Beerdigungen und den dazugehörigen Gesprächen.

Liebe Anna-Lisa, danke für deine ehrlichen und offenen Worte! Wir wünschen dir als deine Heimatgemeinde nur das Beste für deinen weiteren Weg! Ich denke, die Fragen und Spannungen, die du spürst, sind wichtig und helfen dir dabei, an deinem eigenen Berufsbild zu arbeiten. Einige werden sicher teilweise im Studium oder beim konkreten Arbeiten gelöst! Für alles jedenfalls Gottes Segen dazu!